2020: Von Trauer und Dankbarkeit

Das Jahr 2020 kommt in der kollektiven Erinnerung der Menschheit nicht gut weg. Ab März bestimmte Corona den Alltag in Deutschland: Abstand, Maske tragen, Hygiene, Lockdown. Geschäfte mussten schließen, Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Die Intensivstationen kamen an ihre Grenzen. Krankenschwestern, und Pfleger erhielten mehr Applaus statt mehr Geld. 

Die Integration von Geflüchteten wurde schwieriger. Begegnungscafés konnten nicht mehr Orte der Vernetzung und Vermittlung sein. Manche Vernetzung konnte durch Mail, Telefon und Online-Meetings gerettet werden. Unterstützung für Ehrenamtliche gab es über Newsletter und Homepage, soziale Medien wie Facebook und WhatsApp wurden genutzt. Und doch wurde deutlich, wie sehr Begegnung von körperlicher Präsenz lebt. 

Das Jahr 2020 begann in meiner Familie mit einem unerwarteten Tiefschlag. Am 7. Januar 2020 starb meine Frau Martina Kneitschel. Das Jahr 2020 war daher ein Jahr der Trauer. Es ist aber auch ein Jahr der Freundschaft. Dankbar blicke ich auf Menschen, die bei mir ausgeharrt haben: am Sterbebett, in den ersten Tagen nach Martinas Tod. Ich danke allen, die in kurzen Gesprächen oder an langen Abenden mich aufgefangen haben. Ich danke, den Menschen, die für Felix und auch für Jonas da waren und beiden halfen, das Unbegreifliche zu  ertragen. 

Staunend sehe ich auf das Wunder wachsender Freundschaften und die Zeichen neuen Vertrauens, die mir geschenkt wurden. Manche Begegnung, manches Wort  und manche Berührung sind wie ein Gruß von Martina: ja, der Tod hat nicht das letzte Wort und Martina bleibt in meinem Herzen und in Gottes Hand lebendig. Mein Glaube ist auch durch diese Erfahrung gewachsen und verwandelt. 

Es ist rasch deutlich geworden, dass ihr Tod für mich ein so tiefer Einschnitt ist, dass ich auch meine Tätigkeit bei der Caritas nicht einfach fortsetzen kann. Und so endete zum 31. Dezember 2020 meine Zeit bei der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Leipzig. 

Ich möchte an dieser Stelle allen Kollegen bei der Caritas, bei der Diakonie und bei den verschiedenen Kooperationspartnern der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Leipzig für Ihre Unterstützung und ihre Geduld danken. Die vergangenen Jahre waren beruflich und familiär herausfordernd. Bei allen Krisen konnte ich mich auf die Fachkompetenz und die Unterstützung der Caritas und der Diakonie verlassen. 

Ich bin zuversichtlich, dass Lucia Hennecke und Ramona Baldermann gut zusammenarbeiten und neue Impulse setzen. Ehrenamtliche und am Ehrenamt interessierte bitte ich, ihnen das Vertrauen entgegen zu bringen, das ich erfahren habe. 

Herzlichen Dank für das vielfältige Engagement in und um Leipzig. Es war mir eine besondere Ehre, hier mitzuwirken!

 

Auch wenn ich mich aus dem Themenfeld Migration und Flucht zurückziehe, werde ich doch im Gebet weiter die Anliegen bedenken. 

 

Dr. Ernst-Ulrich Kneitschel BA

 

 

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