Herz Jesu Fest

Gewaltlose Grenzöffnung

Zu den typisch katholischen Festen zählt das Herz-Jesu-Fest. Seine biblische Quelle macht es eigentlich zu einem ökumenischen Fest, auch wenn es den Sprung über die Konfessionsgrenze nie richtig geschafft hat. Aus meiner Kindheit sind mir die Darstellungen vertraut, in denen Jesus mit offenem Herzen zu sehen ist. Manchmal trägt Jesus auf den Bildern das Herz auch in seiner Hand (Christus Cardiophorus). Es ist eine Form der Frömmigkeit, die sich nicht jedem erschließt. 

Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus.Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt (Joh 19, 33 - 35)

Jesus ist tot. Verraten von einem seiner engsten Freunde. Gestorben am Kreuz. Nach römischem Recht die Strafe für Sklaven, Verbrecher und Aufständische. Johannes schildert ein Detail, dessen Wahrheitsgehalt extra betont wird. Für ihn schlägt das Ereignis u.a. eine Brücke zu den Schriften von Sacharja:

Doch über das Haus David und über die Einwohner Jerusalems werde ich den Geist des Mitleids und des Gebets ausgießen. Und sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. Sie werden um ihn klagen, wie man um den einzigen Sohn klagt; sie werden bitter um ihn weinen, wie man um den Erstgeborenen weint. (Sach 12,10)

Der schmachvolle Tod ist Jesu Weg, die Logik von Macht und Gewalt zu durchbrechen. Während manche damals hofften, ein starker König werde Israel von den Römern befreien, ging Jesus für seine Botschaft in den Tod. 

Aus dem Kreislauf der Gewalt hilft nicht, auf Böses mit Bösem zu reagieren - auch wenn das im ersten Impuls schlüssig erscheint. Konflikte, die über Generationen gehen, zeigen das immer wieder. Manchmal öffnet der Tod eines Menschen, der sich selbst aus Liebe nicht geschont hat, die Augen. Allerdings ist das eine individuelle Entscheidung, die nur dann sinnvoll ist, wenn das Herz mitschwingt.  

Lasst Euch nicht vom Bösen überwinden, sondern überwindet das Böse durch Gutes. (Röm 12,21)

Es muss nicht gleich das eigene Leben sein, das man opfert. Aber sich mit dem Herzen auf andere einlassen, ohne Angst vor den Menschen, kann Türen öffnen und Mauern durchbrechen!