Den eigenen Weg gehen

Die fehlende Landkarte

Eigentlich müssten wir bei der ersten Begegnung mit einem Menschen von Anfang bis Ende schweigen und hören. Wir leben zwar in der gleichen Welt, aber  mit unterschiedlichen Geschichten. Es ist gut, wenn es gemeinsame Deutungsschlüssel gibt, aber zugleich sollten wir stets darauf achten, ob die eigene Erfahrung wirklich zu dem passt, was der andere in die Begegnung mitbringt. 

Urteilt nicht! So steht es in der Bibel. Und doch urteilen wir. Vielleicht ist das unvermeidbar. Vielleicht sollten wir daher großzügig sein, wenn andere über uns urteilen. Und zugleich die Einladung hören, die verschiedenen Landkarten zusammenzulegen. Wie ein Mosaik. Denn wir alle sehen nur rätselhafte Umrisse. Manchmal scheint es uns, dass wir verstehen. Wir malen ein Bild vom anderen. Wir mögen ihn oder können den anderen nicht leiden. Wir lassen ihn näher oder vermeiden die Begegnung. 

Wenn wir nur die lieben, mit denen wir  gut zurecht kommen, tun wir das, was alle tun. Die christliche Liebe beginnt, wo der andere fremd bleibt.