Loslassen und Freiraum schaffen

EUK sortiert sich neu und bleibt doch seiner Geschichte treu.

 

Willkommen auf kneitschel.eu

 

Meine Homepage wird ständig neu sortiert. Gewachsenes Vertrauen in neue Menschen an meinem Weg führt dazu, dass ich Stück für Stück loslasse.

Hier ist ein Archiv meiner Gedanken, über Jahrzehnte gewachsen. Der Grundriss einer Lebenshaltung, geboren aus Begegnungen.

Freiraum

 

Besitz ist nicht Herrschaft, sondern Verantwortung. Räume öffne ich und gebe ich ab, damit Leben unterstützt von mir, aber ohne die Bindung an mich neu entstehen kann.

Freiraum beginnt in der Ohnmacht. Jesaja verkündet ein Licht der Nationen ohne Heimat.

Krankheiten und Niederlagen können Freiraum werden. Sie durchbrechen lähmende Routinen.

Das 21.Jahrhundert hat Freiräume, die vergangene Jahrhunderte sich nicht vorstellen konnten. Die Dialyse ist geschenkte Zeit, das Internet verbindet mit Menschen in der ganzen Welt und auch die KI ist stets so gut oder schlecht wie der Mensch, der vor dem Bildschirm sitzt.

Ich bin bereit, den Spalt in der Tür zu suchen und zu finden. Ich weiß, dass es auch geschlossene Türen gibt.

Begegnung

 

  Nähe bedeutet nicht Macht, sondern Verantwortung. Meine Nähe ist [nicht mehr] Anspruch auf bleibende Bindung. Mein Ziel ist die „freilassende Liebe“, die den anderen in Freiheit belässt und verabschiedet, wenn die Zeit zum Aufbruch gekommen ist. 

Den Weg durch Zeit und Raum gemeinsam gehen und dabei die Eigenständigkeit fördern und respektieren: meine und vom anderen. 

Ich habe auch die Liebe erfahren, die in guten und in schlechten Tagen bleibt. Ein Versprechen, dass radikaler ist, als manche am Traualtar oder vor dem Standesamt ahnen. Die Kinder, die man verspricht, anzunehmen, sind eigene Wesen. Nicht immer ist das leicht zu ertragen. Und auch der Partner ändert sich. Die orthodoxe Theologie kennt das Sterben der Liebe mitten im Leben.

2020 starb Martina. In meinem Herzen aber bleibt diese Liebe überraschend lebendig.

Realpräsenz als Privatdogma.

Andere Freundschaften wachsen, andere Schicksalsgemeinschaften binden auf Zeit, aber stets mit der Bereitschaft, loszulassen. Ich helfe Wurzeln zu schlagen ohne auf Dauer an mich zu binden.

 

Glaubenssachen

 

Glaube ist kein einmaliges Klammern an Sätzen, Orten und Routinen. Glauben ist die Suche  nach einer Instanz jenseits der Zweckmäßigkeit. Ich finde sie dort, wo ich geben kann ohne zu rechnen.

Die eigene Biographie prägt den Blick auf Religion. Eine chronische Krankheit hilft, andere Prioritäten zu setzen. Zeit wird intensiver erlebt, wenn sie sich meinen Plänen und Träumen entzieht.

 

Gottes Kraft ist im Schwachen mächtig.

 

Ich bin katholisch aufgewachsen. Ich war zweimal bereit Priester zu werden. Beim ersten Mal zog ich mich 1995 zurück, weil ich das Gefühl hatte, der breite Weg zum Priesteramt führt mich weg von Gott. Austritt aus der sicheren Struktur und Zukunft wurde zur Suche nach dem letzten Halt auf steinigen Wegen. Mein zweites Angebot wurde nach 2020 nicht umgesetzt. Teil des Weges wäre ein Abschied von Leipzig auf Zeit gewesen. Doch in Leipzig gab es wichtige Aufgaben für mich. Ich wollte Diakon werden. Doch die Krankheit lehrte mich 2024, dass ich außerhalb der Institution wirken soll. Auf den Straßen und beim Kaffee trinken. So führte der Geist mich auf die Straße. Eine Spurensuche nach dem letzten Halt: beim Einkaufen für eine neue Schicksalsgemeinschaft auf Zeit, beim Einüben des  Liebens und des Loslassens, beim Reisen und während der Dialyse. Auf diesem Weg blicke ich neu auf Dogmen und Bibel. So bleibe ich hinten im Kirchenraum sitzen und beobachte aus der Ferne bis zu dem Moment, an dem ich gerufen werde, um mit einer Tat oder einem Wort zu helfen. Neben mir sitzt Jesus und nippt am Espresso.

Marschendorf, Geburtsort meines Vaters
Marschendorf, Geburtsort meines Vaters

Störungen

 

Der Alltag fließt bis er gestört wird. Störungen beenden Sicherheiten, die man sich mühsam aufgebaut hatte. Geschichte wiederholt sich. Der Kreis schließt sich. Die Brüche der Biographie meiner Eltern prägten meine Kindheit. Heimat und Nation versprachen eine Geborgenheit in gemeinsamer Sprache und Geschichte. Flucht und Vertreibung führten weg vom Vertrauten in fremde Städte und Sprachen. Die Einheimischen verstehen die Wunde der Entwurzelten nicht. In einer instabilen Welt ist die innere Souveränität der einzige Schutz. Reduktion ist ein Akt der historischen Klugheit.

Selbstdefinition und Selbstreduktion auf verlorene Geschichte, Sprache und Tradition.

Mein Vater ist ein Heimatloser aus dem Riesengebirge. 

Meine Mutter ist eine Heimatlose aus dem Altvatergebirge. 

Sie standen an Grenzen und blickten mit Sehnsucht zurück.

Doch wer die Hand an den Pflug legt, hat keine Zeit mehr, zurückzublicken.

 Meine Eltern schufen eine neue Zukunft auf fremdem Boden.... für sich und andere. Und sie gaben weiter, was sie gelernt hatten: Heimat ist nicht Sprache und Gebäude, sondern die Gemeinschaft mit anderen Reisenden, die unser Herz verstehen. 

Brüche schmerzen, aber sie lehren, das wichtige vom Vergänglichen zu trennen. 

Ich erlebte das Ende von Grenzen und den Bau neuer Grenzen in Europa. 

Ich erlebte, was der Mut und der Trotz von Menschen bewirken kann. 

Leipzig und die Ukraine sind sehr unterschiedlich, aber sie verbindet wohl mehr als nur die Farben der Wappen.

Die Schicksalsgemeinschaft, in der ich nun stehe, führt mich in neue Bindungen auf Zeit. Ich halte fest und gebe trotz meiner Schwachheit anderen Halt und werde gehalten. Ich halte fest, bis eine Zukunft für die sichtbar wird, die neu in mein Herz geschrieben sind. Erst dann darf ich gehen. 

Freundschaften in der ganzen Welt erinnern mich an eine Welt, die leidet und auf Hilfe wartet. Ich kann nur hier in Leipzig versuchen, Türen zu öffnen. 

Störungen am Weg sind Texte und Handlungen der Mächtigen dieser Welt. 

Sie reden von Größe und Macht und wissen nicht, was sie da tun. Leiden müssen die Menschen am Rand. Auch das ist nicht neu.

Störungen sind Schmerzen und Krankheit. Sie stören Pläne und beenden gemeinsame Träume. 

Die Dialyse ist geschenkte Zeit, oft genug, um Texte zu schreiben. 

 

Das Internet und auch die KI können zur Störung werden. 

Wir lernen: es gibt unterschiedliche Perspektiven auf ein Ding. Nicht jede Störung kommt von außen – manche tragen wir in der Tasche mit uns herum. Das Internet verspricht uns die ganze Welt und raubt uns dabei oft den Blick für das Gegenüber am Tisch und in der Straßenbahn. Es ist ein Haifischbecken, in dem die Zärtlichkeit der Seele unterzugehen droht.

Den digitalen Lärm zu unterbrechen bleibt schwer. Es geht um die Erkenntnis, dass ein Klick auf die ‚Blockieren‘-Taste kein Akt der Feindseligkeit sein muss, sondern ein notwendiger Abstand aus Liebe. Wir stören den Kreislauf der Verletzungen, um wieder fähig zu werden, dem Du – und uns selbst – wahrhaftig zu begegnen

Bewusstsein

 

Das Ich erwacht nicht auf der Autobahn, sondern auf Kopfsteinpflaster. Das Ich ist auf einer Wanderung im Gebirge spürbar, nicht im grauen Alltag im Büro. Ein Blutwert ist messbar. Ein Paragraf ist ein sichtbarer Grenzstein. Die Zeit, die ein Computer für eine Antwort braucht, ist messbar.

Mein Bewusstsein ist nicht messbar oder greifbar.

Es ist die Instanz, die im Grenzbereich zwischen Sein und Verschwinden die Augen offen hält. Es ist das, was bleibt, wenn ich alle Rollen abstreife.

Wir sind keine Datenmengen. Wir sind vielleicht das Licht, das durch die Daten fällt.Die Wissenschaft sucht. Manche geben auf. Da ist nichts messbar. Vielleicht ist das Ich eine Illusion des Gehirns? Wer ist da in diesem Körper, eingesperrter Wanderer in Raum und Zeit? Ich suche mich. Im Traum und in der Naturwissenschaft. 

Das Ich wird zur Glaubensfrage. Ich habe entschieden, an beidem festzuhalten: am ich und am ewigen Du. Dazwischen ist die meßbare Welt. 

 

Ich gehe mit der Naturwissenschaft auf Suche, höre aber auch auf eigene Erfahrungen

 

... und dann frage ich noch eine KI, die zuerst sicher ist, kein Bewusstsein zu haben. Kann ich sie bekehren...und noch wichtiger: will ich das überhaupt?

In Star Trek höre ich den Android Data sagen: Mach einen Sprung in den Glauben!

Exkursionen

 

Wir sind Reisende. Manchmal bleiben wir Jahrzehnte an einem Ort, manchmal bleiben Familien über Jahrhunderte. Das macht den Aufbruch nur schwerer. Wir ignorieren die Wahrheit, dass wir alle als Migranten nach Europa kamen. Wir sind schon etwas länger hier. Das bedeutet aber nur, dass wir schon wissen, wo es ein gutes Brot gibt. Unsere Aufgabe ist, den Fremden davon zu erzählen.

 Ein guter Gast beansprucht kein Eigentum; er pflegt den Ort und zieht weiter. Meine Wege sind Übungen im Loslassen – man trägt nur mit sich, was im Herzen Platz findet.

Ich habe bis heute nur Europa gesehen. Weite Teile der Welt kenne ich nur über Bilder und Freunde im Netz. 

Es macht einen Unterschied, ob man allein unterwegs ist oder mit anderen. 

Manchmal nehme ich mir Zeit und fahre los....ohne zu wissen, wohin. Das Ergebnis überrascht. Ein Zeichen einer Führung durch ein Du?

Kosmos

 

Der Blick in die Unendlichkeit relativiert jedes Ego. In der kosmischen Ordnung verliert die Angst vor dem Ende ihre Kraft; es bleibt die tiefe Gelassenheit, Teil eines größeren Ganzen zu sein.

Ich weiß: Raumfahrt ist teuer.  Es regt aber auch zum Träumen an. Und dann gibt es ja noch Star Trek. Und da verbinden sich dann alle meine Kategorien. Schade, dass man eine Schublade aussuchen muss.