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Gott ist aus der Kirche ausgetreten

Gedanken zu Hanns-Dieter Hüsch: Religiöse Mitteilung

Gott wurde nahegelegt, aus der Kirche auszutreten. Im perfekt durchdachten Gebäude der Dogmen und Normen, die ja alle irgendwie mit ihm zu tun hatten, aber doch das Wesentliche übersahen, fühlte er sich sowieso nicht mehr wohl. Man hatte sich auseinandergelebt. Vielleicht wurde zu oft von ihm und zu wenig mit ihm gesprochen. Die Christen traten unversöhnt an den Tisch des Herrn und behinderten jene, die die Gräben schließen wollten. Er berief Frauen und sie jammerten, es gebe zu wenig Priester. Und wenn ihnen mal stärker widersprochen wurde, fiel ihnen nur ein, zu behaupten, sie hätten keine Vollmacht. Ähm, warum erhielt Petrus gleich wieder die Schlüssel zum Himmelreich? Um damit Golf zu spielen?  

Ja, sie hatten eine lange gemeinsame Geschichte, aber nun hatte er schon seit vielen Jahrhunderten das Gefühl, dass ihm dort niemand mehr wirklich zuhörte. So verließ er die alten Kathedralen und konfessionellen Kerngebiete und zog sich dahin zurück, wo ihn niemand erkannte. Nein, er wollte nicht mehr angebetet und verherrlicht werden. Er wollte, dass endlich sein Programm umgesetzt werde: 

Löst die Fesseln der Menschen, die man zu Unrecht gefangen hält, befreit sie vom drückenden Joch der Sklaverei und gebt ihnen ihre Freiheit wieder! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! 7 Teilt euer Brot mit den Hungrigen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen! (Jes 58, 6-7)

Doch vielleicht gibt es ja Hoffnung. Es ist vielleicht nicht nötig, den gordischen Knoten zu zerschlagen. Es gibt die Menschen, die eine Ahnung davon haben, was das Wesentliche ist. Papst Franziskus gilt vielen weiter als Hoffnungsträger. Doch für viele hat das Salz seinen Geschmack verloren. 

Die Kirche ist aufgerufen, zu den Wegkreuzungen von heute zu gehen, d.h. an die geographischen und existenziellen Ränder der Menschheit, an die Orte an den Rändern, zu den Situationen, in denen Menschen dichtgedrängt hausen und Bruchstücke des Menschseins ohne Hoffnung leben. Es geht darum, es sich nicht auf den bequemen und gewohnten Wegen der Evangelisierung und des Zeugnisses der Nächstenliebe einzurichten, sondern die Türen unseres Herzens und unserer Gemeinschaften für alle zu öffnen, denn das Evangelium ist nicht wenigen Auserwählten vorbehalten. Auch jene, die am Rand stehen, jene, die die Gesellschaft ablehnt und verachtet: Auch sie erachtet Gott als seiner Liebe würdig. Er bereitet sein Festmahl für alle vor: Gerechte und Sünder, Gute und Böse, Intelligente und Ungebildete.

Manche hören die Worte, haben aber den Glauben verloren. Zu viel ist geschehen. Zu groß ist die Enttäuschung mit diesen Christen. Vielleicht muss Kirche tatsächlich auch als Institution ernst machen mit der Nachfolge und sterben. Als Christen wissen wir doch: der Tod hat nicht das letzte Wort!

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