Grüß Gott Regensburg!
Mein Geburtsort ist der Regensburger Osthafen. Es war eine Hausgeburt. 1971 gehörte der Osthafen zum kleinen Ort Barbing. Deshalb war ich auch dort in der Grundschule. Erst ab der 5. Klasse war ich am Gymnasium in Regensburg. Trotzdem empfand ich nicht Barbing, sondern Regensburg als Heimat. Und inzwischen ist tatsächlich der Osthafen Teil der alten Stadt an der Donau.
In offiziellen Dokumenten gilt trotzdem Barbing als mein Geburtsort.
Sehr geehrte Stadt am nördlichsten Punkt der Donau!
Im Lauf Deiner langen Geschichte haben Menschen in Deinen Mauern viele Sprachen gesprochen. Zu Bayern wolltest Du lange nicht gehören, trotzdem wirst Du als bayerische Stadt gelesen.
Bis zum Beginn des 19. Jahrhundert traf sich hier Europa auf dem Reichstag. Dann bist Du in einen tiefen Schlaf der Bedeutungslosigkeit gesunken. Zum Glück: nur deshalb hast Du eine so schöne Altstadt. Studenten weckten Dich im 20. Jahrhundert aus dem Schlaf.
Du bist meine Heimatstadt und warst doch am Ende eher Sprungbrett in die Welt.
Am Beginn meines Lebens blickte ich vom Rand auf Dich. Vom Hafen sah und hörte ich aus der Ferne das Feuerwerk zum Jahreswechsel.
Am Beginn meiner Schulzeit musste ich auf eine Grundschule im Dorf Barbing. Dort spürte ich meine Fremdheit, weil ich nicht die gleiche Sprache beherrschte wie die Einheimischen.
Bayerisch ist ein Dialekt und doch mehr als nur ein Dialekt. Es ist Identifikation eines Nationalstolzes, der irritierend wirkt.
Bayern ist ein Bundesland in Deutschland, tritt aber gelegentlich auf wie ein unabhängiger Staat.
Wenn ich nach meinem Geburtsort gefragt werde, nenne ich Deinen Namen: Regensburg. Mein Vater Ernst nannte mich Ernst-Ulrich, weil die katholische Dompfarrei den Namen des Augsburger Bischofs Ulrich trägt.
Heute ist St. Ulrich ein Museum. Die Gottesdienste fanden bereits in meiner Kindheit wenige Schritte weiter in Niedermünster statt. Am Alten Kornmarkt parkte mein Vater im Schatten einer Platane. Neben einer Säule im hinteren Teil von Niedermünster saßen meine Geschwister, meine Eltern und ich sonntags. Hinter der Säule war Platz für den Hut meines Vaters. Dort wollte keiner sitzen, weil von hier kein Blickkontakt zum Altar möglich war.
Was ist Heimat?
Meine Tagebücher waren sich bis in meine ersten Studienjahre sicher, dass ich in Deinen Mauern bleibe. Jahrzehnte später fällt es mir leichter, Leipzig als Heimatstadt zu bezeichnen.
Regensburg schien mir eine große Stadt.
Am Gymnasium trauerte ich um meine verlorene Kindheit.
Die Donau sah meinen ersten Kuss.
Vom Hauptbahnhof brach ich in die Welt auf.
Die katholischen Kirchen waren mir vertraut, die evangelischen Kirchen entdeckte ich erst, als ich die Nabelschnurr der engen Gassen trennte.





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