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Der Fake-Eremit vom Rochlitzer Berg: ein Job für die romantische Kulisse

Der rote Stein des Rochlitzer Porphyr ist für Leipzig wichtig. Mehrere Gebäude nutzen den nahe gelegenen Steinbruch. Doch der Berg hat auch eine interessante Ruine. Einsiedelei steht auf einem Hinweisschild. Doch es gab hier nie einen religiösen Eremit oder gar ein geistliches Zentrum.

 

Was es aber gab: ein Schauspieler, der für Touristen Eremit spielte. Die Reste erinnern an eine touristisch genutzte Wohnung aus dem 19.Jahrhundert. Das Geschäftsmodell funktionierte. Der abgelegene Wohnort war wohl damals beliebt. 

 

Solche Schmuckeremiten gab es in der Romantik in ganz Europa. 

Reiche Grundbesitzer legten penibel fest, wie sich der Angestellte zu verhalten hatte, um die perfekte romantische Illusion zu erzeugen.

 

Für das authentische Aussehen gab es genau festgelegte Regeln: Aussehen, Kleidung, Körperpflege und Verhalten sollten möglichst stimmig sein. 

 

Das Honorar dagegen war nicht so spartanisch. Gemessen am Durchschnittslohn und dem damaligen Lebensstandard entspricht die Summe, die ein britischer Eremit verdiente,  heute einer Kaufkraft von ca. 110.000 bis 130.000 Euro. 

 

Der Eremit von Rochlitz war wohl weniger reich,dafür unterlag er auch nicht so strengen Regeln. 

 

Mehrere Faktoren sprechen für ein eher bescheidenes Einkommen:

 

Abhängigkeit vom Wetter: Da er vom Ausflugsverkehr lebte, verdiente er im kalten sächsischen Winter oder bei Dauerregen im Frühjahr tagelang fast gar nichts.

 

Kein reicher Lord als Chef: Sein Arbeitgeber war Christian Gottlob Seidel, ein lokaler Steinbruchbesitzer und Unternehmer – kein exzentrischer, schwerreicher Herzog, der mit Geld protzen wollte.

 

Die soziale Schicht der Gäste: Die Besucher waren meist bürgerliche Wanderer, Handwerker oder Studenten aus Leipzig und Umgebung. Diese gaben zwar Trinkgeld, aber keine riesigen Summen.Der Job auf dem Rochlitzer Berg war also vermutlich eher ein solides, bescheidenes Auskommen als ein fürstlicher Reichtum. 

 

Während der Eremit in Sachsen eine reine Touristenattraktion für das protestantisch-bürgerliche Leipzig war, erfüllten die katholischen Eremiten im katholischen Bayern zur gleichen Zeit eine feste, anerkannte soziale und religiöse Funktion. 

 

Als Christian Gottlob Seidel starb, endete 1832 die Zeit der Schmuckeremiten am Rochlitzer Berg. 

 

 

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