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Barock: Brücke zwischen Leipzig und der Oberpfalz

Eine architektonische Parallele zwischen dem Leipziger Südosten und der Oberpfalz: Wie der Blick auf die barocke Marienkirche in Stötteritz unerwartet die Verbindung zu meiner Taufkirche St. Martin im fernen Barbing zeigt.

Blick vom Gutshof Stötteritz zur Marienkirche
Blick vom Gutshof Stötteritz zur Marienkirche


Der Gutshof Stötteritz im Leipziger Südosten ist ein einstiges Rittergut. Heute lebt hier soziale Verantwortung in einer fast dörflichen Geborgenheit. Direkt nebenan ragt die evangelisch-lutherische Marienkirche empor – der einzige vollständig erhaltene Barockbau Leipzigs, errichtet 1702/03.

Die Kirche zeigt eine verblüffende architektonische Parallele zur katholischen Pfarrkirche St. Martin im oberpfälzischen Barbing bei Regensburg. Wahrscheinlich ist das noch niemandem aufgefallen. Barbing ist eher unbekannt, obwohl in der Nähe Österreich seine erste urkundliche Erwähnung findet. Aber St. Martin ist meine Taufkirche. Trotz der Konfessionsgrenzen und hunderter Kilometer Entfernung teilen beide Kirchen dieselbe prägende Silhouette des 18. Jahrhunderts: Ein hell verputztes Langhaus mit hohen Rundbogenfenstern, getragen von einem roten Ziegeldach, gepaart mit einer eleganten, barocken Zwiebelhaube samt Laterne.

Ein Blick in die Geschichte des Bauwerks zeigt, dass diese Gestalt erst im Laufe der Zeit entstand. Als der Baumeister Johann Christian Senckeisen die Saalkirche 1702/03 anstelle eines baufälligen Vorgängerbaus errichtete, fehlte der Turm noch völlig. Dieser wurde erst 1712/13 angebaut, auch um über eine zusätzliche Empore Platz für weitere einhundert Gemeindemitglieder zu schaffen. Erst durch Umbauten im späten 19. Jahrhundert erhielt das Kirchenschiff seinen heutigen, kreuzförmigen Grundriss. Den Namen „Marienkirche“ trägt der Bau  seit 1906. Tatsächlich wurde die Gottesmutter für diese evangelische Kirche gewählt, um damit den historischen Charakter des Bauwerks zu unterstreichen...zudem findet sich im Innenraum ein Altar mit Maria unter dem Kreuz. Der spätgotische Flügelaltar aus der Zeit um 1480 wird dem Umfeld Hans Pleydenwurffs zugeordnet und gilt als das bedeutendste Zeugnis spätgotischer Tafelmalerei in Leipzig. 




Die Pfarrkirche St. Martin besteht heute aus zwei Bauteilen. Der älteste Kern ist der Chorturm im Osten, dessen Erdgeschoss das historische Kreuzgewölbe des Altarraums bildet. Im Jahr 1733 ersetzte die Gemeinde das gotische Kirchenschiff durch einen barocken Neubau mit drei Fensterachsen. Da die Bevölkerung im frühen 20. Jahrhundert stark anwuchs, folgte 1935/36 eine radikale Zäsur: Die bestehende Barockkirche wurde nach Westen hin um einen 15 Meter langen breiteren Anbau erweitert. Dort ist nun der Altar. So entstand der heute sichtbare, langgestreckte Baukörper. 

Im Inneren ist ein Altar mit dem Heiligen Martin, der durch die Laternenumzüge auch im säkularen Leipzig Bekanntheit genießt. 

Altar in der Marienkirche
Altar in der Marienkirche

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