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Psalm 4: Schutz in der Nacht

In Tirol
In Tirol

Wenn ich rufe, gib mir Antwort,

Ewige Quelle unseres Bewusstseins,

 Du erkennst mich hinter allen Masken.

Du hast mir weiten Raum geschaffen,

mitten im engen Takt der Befunde und Diagnosen,

wo der Körper Grenzen setzt

 und die Zeit schwer wird.

Sei mir gnädig und hör mein leises Flehen.

Sie sagen:

 „Die Gesundheit ist das wichtigste Gut.“

Ich aber sage: Nein!

Wie lange noch betet ihr diesen Götzen an,

 ihr Optimierer der Welt?

Wie lange noch jagt ihr der Illusion

 der ewigen Funktionstüchtigkeit hinterher?

Wie lange noch liebt ihr das Nichtige,

das den Wert eines Menschen 

nur nach seiner Leistung bemisst?

Sie suchen Diakone, Priester und Bischöfe,

die kraftvoll der Gemeinde vorstehen.

Du aber berufst, was arm und gebrochen ist,

damit diese aufrichten, was ohnmächtig ist,

allein aus Deiner Kraft.
Denn ohne Dich vermögen sie nichts.

Erkennt doch: 

Der letzte Halt ist keine biologische Bilanz

Du hast mich berufen

 in die Nachfolge in Schwachheit.


Du hörst mich, wenn ich im Dunkeln zu Dir rufe.

Du sendest mich ins Internet und in die Stadt.

Zürnt ihr der Endlichkeit, so verzweifelt nicht.

Redet mit eurem Herzen,

 wenn der Bildschirm die Welt durcheilt.

wenn das Zimmer still wird

 und die Brüche des Körpers spürbar werden.

Legt den Zwang der Selbstoptimierung 

und den Schein der Macht ab

und vertraut auf das tragende DU.

Viele sagen: Wer zeigt uns noch das Gute,

wenn der Körper streikt und die Kräfte schwinden?

Wer garantiert uns das Morgen

wenn das Fundament der Gesundheit wankt?

Aber Du, ewiges Licht, das durch unsere Brüche fällt,

erhebe über uns das Leuchten Deiner Gegenwart.

Du legst mir eine größere Freude ins Herz,
als sie jene haben, 

deren Leistungsbilanz stimmt,

deren Körper reibungslos funktionieren
und die glauben, 

den Lauf der Zeit beherrschen zu können.

Ich liege und schlafe ganz mit Frieden;
ich lasse los, was mich am Tage ängstigte.
Denn Du allein, 

Ewige Quelle unseres Bewusstseins,


auch im schwachen Leib, 

auch in der Ohnmacht,


lässt mich sorglos wohnen.

Ich tauche ein in die Nacht,
die heller ist als der Tag.
Der Rest ist Schweigen.

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