Neben mir sitzt Jesus und nippt am Espresso. Ein Bild, das nach gemütlichem Kitsch riecht – bis man begreift, dass der lebendige Gott uns genau hier mit konkreten Erwartungen herausfordert. Ein neuer Kaffeegedanke über den trinitarischen Urtanz mitten im Alltag und die Entdeckung des Heiligen abseits von Kirchenmauern.
Neben mir sitzt Jesus und nippt am Espresso.
So schreibe ich auf der Startseite meiner Homepage.
Das Bild ist gefährlich. Es riecht nach Kitsch. Nach Wohlfühl-Spiritualität und einem Jesus, der als Kumpel mit mir abhängt, um unverbindlich über das Wetter zu plaudern. Aber ein Kumpel holt mich nicht aus dem Nebel. Und ich sitze tief im Nebel.
Jesus ist nicht mein Kumpel. Er ist das Absolute – wahrer Gott und wahrer Mensch, geboren vor aller Zeit.
„Ihr nennt mich Meister und Herr, und ihr sagt es mit Recht, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr einander die Füße waschen.“ (Joh 13,13–14)
Wenn er also hier neben mir sitzt und nippt, dann ist das kein banaler Zeitvertreib. Es ist seine Methode. Schauen wir auf seine eigene Praxis: Die entscheidenden, lebensverändernden Gespräche Jesu fanden nicht nur dort statt, wo Menschen den „heiligen Raum“ definierten. Er lehrte im Tempel und in den Synagogen – aber er ließ sich nicht darin einsperren. Mit derselben Selbstverständlichkeit suchte er die Profanität des Alltags: den lärmenden Hochzeitssaal, den staubigen Brunnen am Mittag, den windigen Berghang. Und jetzt eben ins Straßencafé.
Während er die Tasse ansetzt, trägt er die Erinnerung an seinen Vater in sich. Den trinitarischen Urtanz aus Licht und Liebe, der älter ist als das Universum. In diesen Rhythmus will er uns mitnehmen.
Hier geht es nicht um Kirche. Keine Institution muss das abstempeln, kein Theologe muss das deuten. Gott braucht kein Monopol und wir brauchen keine verlängerten Kirchenbänke auf dem Gehweg.
Die Sache ist viel einfacher: Wo mein Bewusstsein in einer Begegnung hellwach ist für das, was der andere gerade braucht, ist der Raum plötzlich heilig. Punkt. Ohne Urkunde.
Trotzdem tut es gut, diese Erfahrung nicht für sich zu behalten, sondern sie im Dialog mit anderen zu riskieren. Denn wer diesen Urtanz spürt, begreift: Der Mensch am Nebentisch, der Fremde, sogar der, welcher mit uns im Streit liegt– wir kommen alle aus demselben Urstrom. Gottes Licht braucht kein religiöses Gewand. Es blitzt einfach auf. Im ganz gewöhnlichen Du.

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