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Dating Apps verhindern oft echte Begegnung

 Er schreibt, er suche eine Partnerin, die unkompliziert sei. Sie antwortet, sie suche einen Mann, der es nicht nötig habe, solche Bedingungen zu stellen, und bricht den Kontakt ab. Er versucht es mit einer Relativierung: Es sei doch nur ein Spaß gewesen. Sie reagiert nicht mehr.


Es gibt tatsächlich Menschen, die sich über Dating-Plattformen kennengelernt haben. Manche kosten Geld und geben sich Mühe, den passenden Partnerzu finden. Oft aber überwiegt Enttäuschung 


Betrachtet man dieses Fragment, zeigen sich zwei völlig unterschiedliche Perspektiven, die wohl auf den jeweiligen Vorerfahrungen der Beteiligten beruhen. 


Man kann in dem Satz des Mannes eine subtile Form der Manipulation sehen – den Versuch, die Grenzen des Gegenübers frühzeitig zu testen. Die Reaktion der Frau wäre dann ein Zeichen von Resilienz und Selbstschutz.


Es gibt jedoch eine ebenso plausible zweite Mõglichkeit: 


Vielleicht hat der Mann eine konfliktreiche Beziehung hinter sich und sucht nach emotionaler Sicherheit und Frieden. Unkompliziert möge die Frau sein, weil er in seiner letzten Beziehung wegen Nichtigkeiten angenõlt wurde.  Seine unglückliche Wortwahl aber ist für sie ein Warnsignal. Aus Angst vor erneuter Enttäuschung sortiert sie ihn sofort in eine Schublade. Zwei vorsichtige Menschen begegnen sich nicht, sondern prallen mit ihren Schutzmechanismen aufeinander.


Das eigentliche Problem liegt in der Struktur moderner Dating-Plattformen. Sie zwingen uns in einen rationalen Auswahlmodus. Wir filtern Profile nach harten Kriterien wie Alter, Wohnort oder Status. Dabei wird oft übersehen, dass tiefe Bindungen nicht durch das Abhaken von Listen entstehen, sondern durch das gemeinsame Erleben im Laufe der Zeit.

 Starre Filter verhindern diesen Entwicklungsprozess.


 Eine Kollegin erzählte mir neulich von einer ähnlichen Erfahrung: Hätte sie damals auf einer App nach festen Kriterien gesucht, sie hätte ihren späteren Partner vermutlich im Vorfeld ausgesiebt, weil er rein oberflächlich nicht in das vorgefertigte Raster passte. Sie reist gerne, er ist lieber zu Hause. Erst das ungeplante Zusammentreffen im echten Leben ermöglichte die Annäherung.


Im analogen Leben, sei es früher in der Schule oder später in einem Chor, entfällt der unmittelbare Bewertungsdruck. Man teilt eine gemeinsame Leidenschaft, aber man sucht nicht nach dem Partner für das Leben. 

 Man beobachtet den anderen im Alltag, lernt seine Nuancen kennen und erfährt Vertrautheit, lange bevor ein romantisches Interesse im Vordergrund steht. Fehler und ungeschickte Formulierungen werden in diesem Gesamtzusammenhang ganz anders eingeordnet und verziehen. 

Und wichtiger ist sowieso das gemeinsame Hobby oder der Ort, an dem sich die Lebenswege kreuzen. 


Dating-Apps neigen dazu, den eigenen Selbstwert davon abhängig zu machen, ein passendes Gegenstück auf dem Bildschirm zu finden. Das führt zu einer ständigen Überprüfung des eigenen Marktwertes. 


Vielleicht liegt das Geheimnis gelungener Begegnungen darin, die Suche nach der „großen Liebe“ aufzugeben und stattdessen den Fokus auf den eigenen Lebensweg zu richten. Wer den eigenen Pfad beschreitet, bleibt offen für die Menschen, die diesen Weg kreuzen – ohne sie festhalten zu wollen. Denn wahre Verbundenheit lässt dem anderen die Freiheit zu gehen. Freundschaften tragen uns im Alltag. Ich weiß, es gibt da die Vorstellung von Topf und Deckel. Tatsache ist aber, das Bild überfordert. 

Paare leben von Freunden, die ergänzen, was man selbst nicht leisten kann. 




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