Liebe ist kein Gefühl. Sie ist eine Entscheidung.
Würde Liebe nur auf Emotionen basieren, könnte sie kein Gebot sein. Denn ein Gebot ist eine Grenzmarke im Gelände unseres Lebens. Es setzt voraus, dass wir eine Wahl haben. Ich kann mich ganz bewusst dazu entschließen, einem Gebot zu folgen, oder mich gegen es auflehnen und es verletzen.
Beim Gefühl versagt diese Logik völlig. Ich kann nicht am Morgen aufwachen und per Willensakt entscheiden, mich neu zu verlieben. Genauso wenig kann ich erzwingen, plötzlich rein gar nichts mehr für einen anderen Menschen zu empfinden. Unser Herz rebelliert gegen die pure Vernunft.
Hier beginnt das eigentliche, ungeschönte Drama des Lebens: Was passiert, wenn diese beiden Welten aufeinanderprallen?
Man kann sich Hals über Kopf verlieben und sich im selben Moment daran erinnern, wem man zuvor das Versprechen gegeben hat, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. In solchen Momenten zeigt sich: Das Leben hat keine leichten Antworten. Und nein, den neuen Menschen einfach eiskalt auf allen Kanälen zu blockieren, ist nicht unbedingt die beste Antwort. Die alte Zusage kurzerhand zu verraten, aber erst recht nicht.
Wenn ich im neuen Menschen etwas besonderes erkenne, kann ich das nicht einfach ignorieren. Ich erkenne einfach im Du etwas, was verborgen in jedem Menschen ist. Jeder Mensch ist einzigartig und kostbar.
„Liebe Deinen Nächsten“ – wie geht das, wenn das Fundament wankt?
Populäre Ratgeber haben für solche Krisen immer einfache, schablonenhafte Antworten parat. Das echte Leben nicht. Vielleicht liegt die Antwort in diesen Brüchen nicht im radikalen Auslöschen des neuen Gefühls, sondern in der bewussten Treue zur einmal getroffenen Entscheidung.
In der Symphonie gibt es eine Hauptstimme. Ein isoliertes Paar ohne Freundschaften verdorrt. Und auch ehemalige Geliebte können ein Teil des Lebens bleiben, wenn sie die neue Hauptmelodie mittragen können.
Wie wir diese Entscheidung im Alltag zwischen starrer Routine und plötzlicher Störung tatsächlich leben, berührt nicht nur die Theologie. Es führt uns überraschenderweise mitten hinein in die Gesetze der Quantenmechanik.


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