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Verschränkte Herzen [2] : Der Würzburger Urknall

Die wissenschaftliche Methode ist das beste Werkzeug der Menschheit, um Irrtümer zu vermeiden. Sie sucht nach dem Wiederholbaren, dem Beweisbaren, dem Statistischen. Doch genau deshalb ist sie extrem schlecht darin, seltene, flüchtige Wunder zu entdecken.Liebe ist eine einmalige, nicht reproduzierbare Messung. Genau diese nicht reproduzierbaren Messungen machen in der Sicht subjektiver Beobachter die Basis von Liebe aus.


Der gemeinsame Gang durch den Regen im Würzburger Residenzgarten und ein anschließender Regenbogen – das ist ein Ereignis, das viele registrieren. Es ist als Wetterphänomen wiederkehrend und vorhersagbar. Wir wissen genau, welche atmosphärischen Bedingungen bestehen müssen, damit Regen kommt.Doch nur für ein einziges Paar wird genau dieser eine Regenbogen zum Gründungsmythos einer Liebesgeschichte.


 Danach öffnet jeder neue Regenbogen ein Fenster zu jenem Punkt in Raum und Zeit, wo die erste unwiederholbare Messung erfolgte.Der Regen und der Regenbogen im Würzburger Residenzgarten sind für die Außenwelt bloße meteorologische Daten – objektive Realität. Erst durch die bewusste, gemeinsame Wahrnehmung zweier Individuen wird aus den Daten eine „nicht reproduzierbare Messung“, die ein neues, verschränktes Zustandssystem begründet. 


Liebe selbst ist nicht reproduzierbar und messbar. Es gibt nur neue Formen, in denen sie sichtbar wird. Die gemeinsame Erinnerung kann uns motivieren, diese neuen Formen im Alltag immer wieder zu suchen. Es ist ein Fluß. Manchmal gibt es Spuren der Liebe in anderen Begegnungen. Es ist möglich, diese Spuren ohne Angst wahrzunehmen und sich daran zu erinnern, welcher Liebesgeschichte man langfristig treu bleiben will. 


"Ich war Dir nicht immer treu, doch ich habe Dich nie betrogen!" [Rosenstolz]


Im Ehebund wird eine Geschichte festgehalten, die eigentlich nicht festgehalten werden kann. Es braucht die immer neue Entscheidung. Manchmal ist das Ja tragend im Abgrund, manchmal ist es eine Wüstenwanderung. 

Als Theologe ist die Religion der eine Brennpunkt meiner Betrachtung. Die Bibel und die Existenz eines göttlichen Du sind meine Prämisse. Liebe zu Gott bedeutet für mich, hinter den Brüchen der Existenz einen göttlichen Tanz zu spüren.


Mein zweiter Brennpunkt ist die Physik. Sie soll das Denken über die Liebe erden.


Die Basis des naturwissenschaftlichen Nachdenkens ist die wissenschaftliche Methode, die Erkenntnisse durch Versuche gewinnt. Gott ist hier keine Prämisse. Er entzieht sich unseren Versuchsaufbauten. Die Gesetze der Natur und unser Leben funktionieren ohne ständige, sichtbare Eingriffe und Korrekturen in den Lauf der Geschichte.Aber das Bewusstsein ist eine Kraft, in der das Universum sich selbst erkennen und auf Geschichte reagieren kann. 


Welche Geschichte vertiefe ich? Welche lasse ich los?


In der Physik des 21. Jahrhunderts gibt es ernstzunehmende Wissenschaftler, die gegen den materialistischen Mainstream weiterdenken. Sie vermuten, dass das Bewusstsein eine Grundkonstante des Universums ist – ein fundamentales kosmisches Feld, ähnlich der Gravitation. Das Gehirn erzeugt dieses Feld nicht, sondern dient lediglich als biologischer Empfänger, der dem universellen Bewusstsein ein individuelles Fenster zur Welt öffnet. Schon Max Planck brachte es auf den Punkt: 


Ich betrachte das Bewusstsein als fundamental. Ich betrachte die Materie als ein Derivat des Bewusstseins.“


Manchmal blicken wir in einem tiefen Gespräch oder einer Umarmung auf die Wahrheit, dass wir alle einen gemeinsamen Ursprung haben, weil wir an dieses Feld angeschlossen sind.Was bedeutet das nun für Paare, die eine gemeinsame Geschichte schreiben wollen, ohne einander einzusperren?

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