Uns hilft kein Gott - ein Gedicht ohne Reim

Fußgängerbrücke bei Wechselburg
Fußgängerbrücke bei Wechselburg


„Uns hilft kein Gott.“

Der blaue Planet taumelt.

Der Mensch stolpert und fällt. 

Kein Eingreifen von oben.


Kein Mobilitätsservice. 


Dafür:

Hiob im Staub.

Keine Antwort, nur Gott im Wirbelsturm.

Unverfügbar.


Der Schrei aus Psalm 22 –

„Mein Gott, warum?“

Nicht weggewischt.

Stehengelassen.


Golgatha.


Der Riss im Vorhang.

Gott am Galgen, Gott im Krankenlager.

Nicht als Retter der Welt,

sondern als der, der mit-stirbt.


Die Wolke der Zeugen.


Sie stehen nicht draußen.

Sie schwingen im Herzschlag.

Ein Gehen, ohne den Boden zu sehen.

Hoffnung, die Wurzeln schlägt –

mitten im Vergehen.


Du selbst lebst und gestaltest Welt.

Jetzt!


Die Welt lieben, 

gerade wenn sie bricht.

Gott nicht als Erklärer.

Sondern als Du.

Im tiefen Riss.


Kümmert es Dich nicht,

dass wir sinken? 

Die Lösung kommt nicht von außen,

sie schläft im Boot.


Habt ihr keinen Glauben?

Warum habt ihr solche Angst? 

Verändert die Welt.

Erstarrt nicht vor den Mauern der Mächtigen. 


Sie sind nur Windhauch. 

Du aber geh. 

Jetzt ist die Zeit!



 1. Die Klage und das Schweigen


     Psalm 22,2-3: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist fern.


      Hiob 38,1-4: „Da antwortete der Herr dem Hiob aus dem Wettersturm...“ Die Begegnung mit Gott, die keine logische Erklärung für das Leid liefert, sondern Hiob mit der schieren Unverfügbarkeit des Schöpfers konfrontiert.


      Klagelieder 3,44: „Du hast dich in eine Wolke gehüllt, dass kein Gebet hindurchkann.“ Das Motiv der Mauer zwischen Gott und Mensch.


2. Gott im Riss 


      Jesaja 53,3-5: „Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit.“ – Das Bild des leidenden Gottesknechts, der „mit-stirbt“ und die Krankheit trägt.


      Matthäus 27,46 & 51: „Und siehe, der Vorhang im Tempel riss entzwei in zwei Stücke von obenan bis unten aus.“ Der physische Riss, der die alte Trennung aufhebt, aber durch den Tod hindurch.


      Philipper 2,7-8: „Er entäußerte sich selbst... und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ Die radikale Kenosis (Entäußerung), Gott wird zum „Gott am Galgen“.


3. Die Wolke und die Hoffnung im Vergehen


      Hebräer 12,1: „Da wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben...“ Die Gemeinschaft derer, die im Glauben (ohne den Boden zu sehen) gegangen sind.


      Römer 8,26: „Desgleichen hilft auch der Geist unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen... sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“  Gott als das „Du“, das im tiefsten Riss mitschreit, wenn die Worte fehlen.


     2. Korinther 12,9: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Das Paradoxon der Hoffnung mitten im Zerbruch.



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