Wenn der Befehl zum Gehen zwischen Gehirn und Beinen versandet: Ein surrealer Fluchtbericht über die Schwerkraft der Erde, überwachte Netzwerke und das erlösende „Geschafft“ in der Anonymität eines Fernbusses.
Ich muss hier weg. Im richtigen Moment. Warum auch immer? Das Auto parkt bereits in der Nähe, der Koffer ist fertig gepackt. Soweit alles völlig normal. Nun sitze ich in diesem verborgenen Raum gleich neben der Haustür. Die mentale Bereitschaft ist da. Die Entscheidung ist längst getroffen. Gleich geht es los.
Meine Mutter hat mir noch ein paar Brote für den Rucksack geschmiert. Ein bisschen emotionale Grundsicherung für den Weg, eingepackt in Alufolie. Kohlenhydrate gegen die Ungewissheit.
Das wird nicht reichen. Ich komme nicht zurück. Wo werde ich leben? Wer weiß.
Da höre ich Schritte auf der Treppe.
Die Zeit drängt.
Jetzt.
Die Schwerkraft des eigenen Körpers
Ich will aufbrechen. Mühsam stehe ich auf. Die Beine schmerzen, als wären sie plötzlich aus Blei gegossen. Was für ein Saftladen, diese Biologie. Das ist echt das letzte Mal, dass ich die Erde wähle.
Jeder Schritt erfolgt unendlich langsam, gedehnt in quälender Zeitlupe. Das Gehirn funkt den Befehl zum Gehen, aber die Muskulatur verweigert die Beschleunigung. Ich humple die Straße entlang, Meter für Meter. Der Wille will nach vorn, aber irgendwo zwischen Gehirn und Beinen versandet der Befehl. Das Ich stemmt sich gegen den Körper. Es gibt da ein Du, das mitzieht. Aber es bleibt schwer.
Am Handy prüfe ich hektisch die Optionen. Das Display leuchtet kühl. Ein digitaler Blick auf die innere Landkarte. Zu wenig Strom. Und das Internet wird überwacht.
Ich treffe eine Entscheidung: Ich lasse das Auto besser stehen. Das eigene Steuer zu übernehmen, selbst zu lenken und die volle Verantwortung für die Navigation zu tragen – das ist in diesem Zustand der Lähmung schlicht unmöglich.
Fernbus statt Auto
Ich besteige einen Fernbus. Ein kollektives Verkehrsmittel, die ultimative Kapitulation vor dem Zwang, alles selbst kontrollieren zu müssen. Jemand anderes sitzt jetzt am Steuer. Jemand anderes übernimmt die Haftung auf dem Asphalt.
Erschöpft sinke ich in den Sitz nieder.
In der Menge falle ich nicht auf.
Das Metall des Busses schützt nicht nur vor Blitz und Donner. Die Anspannung fällt ab.
Geschafft.


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