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Die eiskalte Feuerwand am Rand des Sonnensystems

Voyager fliegt durch eine Feuerwand. Das behauptet das Netz. Das stimmt nicht wirklich. 


50.000 Kelvin heiß und doch von absoluter Kälte erfüllt: Die Raumsonde Voyager 1 fliegt durch eine unsichtbare Grenze, die im Netz oft als „Feuerwand“ beschrieben wird. Warum sich die Sonde dort oben nicht die Finger verbrennt und was das Ganze mit einer Lasagne im heimischen Backofen zu tun hat
Die Sonne am kalten Brocken
Die Sonne am kalten Brocken

Wenn ich für eine Lasagne den Ofen auf 200 Grad erhitze, kann ich ohne Probleme den Ofen öffnen und die Hand in die Luft halten. Es wird warm, aber ich verbrenne mir nicht die Hand. 

Wenn ich aber die Auflaufform ohne Schutz anfasse, schreie ich vor Schmerz auf. 

Luft und Metall haben die gleiche Temperatur, aber die Luft ist nur gasförmig und enthält damit weniger Teilchen. 

Mit diesem Wissen besuchen wir nun die Voyager - die Sonde, nicht das Raumschiff. 

Im August 2012 erreichte die Raumsonde Voyager 1 eine unsichtbare Grenze: die Heliopause. Der schützende Einfluss des Sonnenwindes endet.

24 Milliarden Kilometern von der Erde sind es bis zu diesem Punkt. Das Licht braucht dafür einen Tag. Die Raumsonde dagegen startete, als ich noch ein Kind war.  Messgeräte meldeten von dort einen dramatischen Temperatursprung im dortigen Plasma auf rund 30.000 bis 50.000 Kelvin. Zum Vergleich: Die Oberfläche unserer Sonne ist „nur“ etwa 5.778 Kelvin heiß.

Im Internet wird dieses Phänomen als „Feuerwand“ beschrieben. Die physikalische Realität ist jedoch weniger dramatisch:

Da sind zwar sehr heiße Teilchen am Rand des Sonnensystems, aber es sind zu wenige. Es dominiert die Kälte des Universums. 

Die Situation erinnert etwas an eine 90 Grad Trockensauna. Da kann man problemlos stehen. Heiß ist je nach Material der Boden. 

 Wo keine Materie ist, kann trotz einer rechnerischen Temperatur von 50.000 Kelvin keine Wärme übertragen werden. Die Sonde fliegt also unbeirrt weiter. 

Also keine Feuerwand, auch wenn das besser klingt:
  • Heliopause (Feuerwand): Temperatur schießt hoch, aber die Teilchendichte sinkt gegen Null

Es klingt wie eine physikalische Paradoxie an der Grenze der Heimat unseres Sonnensystems: Unsichtbar, unvorstellbar heiß und doch von absoluter Kälte erfüllt.


Trotzdem gibt es dort draußen einen Überlebenskampf: 


Voyager 1 ist nun fast 49 Jahre alt und über 24 Milliarden Kilometer entfernt. Langsam erfrieren die Instrumente, weil die NASA Stück für Stück Heizung und Instrumente ausschaltet, um Strom zu sparen. Nur so ist es möglich, nach so langer Zeit wenigstens ein paar Daten zu bekommen. 


Etwa 2036 werden die letzten Daten zur Erde gesendet. Der Abschiedsgruß enthält dann nur Daten zum Zustand der Sonde selbst. Danach fliegt sie immer weiter. Sie könnte so die Menschheit und das Ende der Erde überleben. Falls eine außerirdische Zivilisation sie findet, gibt es eine Tafel, die von uns erzählt. 


 

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