Lk 14, 25 - 33
Wer einen Turm bauen will, setzt sich erst einmal hin und rechnet.
Jesus geht es nicht wirklich um Türme. Er hat das Leben des Menschen im Blick.
Im Leben ist der nächste logische Schritt nicht immer so leicht zu errechnen.
In meinem Leben habe ich oft hoffnungsvoll Dinge begonnen, die ich abbrechen musste.
Hätte ich besser rechnen müssen?
Vielleicht.
Vielleicht ist es aber auch so:
Der richtige Weg zeigt sich erst im Gehen.
Wir lernen einen Menschen kennen.
Wir verbringen mit ihm Zeit.
Es fühlt sich zuerst gut an.
Doch irgendwann erkennen wir, dass die Wege sich trennen müssen.
Wir fangen einen Job an.
Der Job fühlt sich zuerst gut an.
Doch irgendwann wandelt sich der Kontext.
Vielleicht gibt es einen neuen Kollegen und der Job wird zur Qual?
Vielleicht deutet sich durch Kopfschmerzen am Morgen an, dass der Weg so nicht weitergeht.
Am 3. September 2025 habe ich meine Ausbildung zum Diakon abgebrochen.
Der Weg fühlte sich zuerst gut an.
Doch am Weg zeigte sich, dass es gesundheitliche und familiäre Grenzen gibt, die ich falsch eingeschätzt habe.
Der Bau bleibt unvollendet.
Und doch endet damit nicht mein diakonischer Weg.
Ich wirke nicht in der kirchlichen Struktur, bin aber trotzdem für andere da.
Südlich von Leipzig steht die Kirchenruine Wachau.
Krieg und Gewalt haben viele Ruinen hinterlassen.
Manche werden wieder neu aufgebaut.
Die Frauenkirche in Dresden ist ein Beispiel.
Doch Ruinen erzählen eine eigene Geschichte von der Brüchigkeit unseres Lebens.
Denn tatsächlich bleibt jedes Leben eine Ruine.
Wir bauen einen Turm, den wir nie vollenden können.
Leid und Tod beenden unsere Bemühungen.
Es gibt natürlich Familien, die über Generationen erfolgreich Kinder ins Leben führen. Doch die Geschichte von Hiob zeigt eindrücklich:
Erfolg ist keine Gewähr für Gottes Präsenz.
Misserfolg ist kein Anzeichen von Gottes Abwesenheit.
Gott lässt die Sonne scheinen über Gerechte und Ungerechte.
Unglück trifft Fromme und Frevler.
Wir richten uns in unseren Ruinen ein und verbinden uns mit anderen,die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Wer selbst gebrochen ist, hat einen anderen Zugang zu den Ruinen menschlicher Existenz.
In der Perikope wird gefordert, dass wir jeden Besitz und jede Beziehung loslassen.
Das bedeutet nicht, dass wir keine Verantwortung übernehmen.
Jesus selbst lebt in Freundschaften. Es gibt Menschen, die er um sich sammelt und die er immer wieder besucht.
Gleichzeitig aber geht Jesus seinen eigenen Weg, um dort zu sein, wo der Geist ihn hinführt.
Auch ich bleibe frei und höre in der Stille auf die Grundmelodie, die mich dorthin führt, wo ich gebraucht werde.


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