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Das Bilderverbot [1]

Ein seltsames Gebot: 

Mach Dir kein Bild. 

Mach auch kein Gleichnis. 

Gott ist mit nichts im Himmel vergleichbar.

Gott ist mit nichts auf der Erde vergleichbar.

Und erst recht Vergleiche mit negativen Dingen passen nicht. 

Und dann entfaltet die Bibel selbst Bilder. 

Gott begegnet in der Feuersäule.

Gott begegnet im brennenden Dornbusch. 

Gott begegnet im leisen Säuseln des Windes. 

Gott wählt und verwirft. 

Und dann kommt Jesus:

Auch er fordert noch einmal auf, 

nicht dorthin zu gehen, 

wo andere Gott vermuten. 

Man muss nicht auf einen bestimmten Berg oder nach Jerusalem. 

Es kommt die Zeit, wo Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet wird.

Die Beter werden in die stille Kammer geschickt,

wo niemand ihr Gebet sieht. 

Und doch:

Jesus geht in die Synagoge und auf den Berg. 

Jesus predigt und bekennt. 

Jesus prägt das Bild von Gott als Vater. 

Gleichzeitig ist er selbst das sichtbare Bild Gottes. 

Das führt bis heute dazu, dass in der römisch-katholischen und in den orthodoxen Kirchen nur Männer Priester werden dürfen. 

Ist das eine wichtige Überlieferung oder ein Verstoß gegen das Bilderverbot? 

Doch das Bilderverbot hat noch eine andere Wirkungsgeschichte. 

Es wird auch als Verbot gedeutet, Menschen in ein festes Bild zu pressen: 

Mach Dir kein Bild von Deiner Schwester oder Deinem Freund. 

Mach Dir kein festes Bild von dem Gegner, Feind und Diktator. 

Lege niemanden auf ewig auf ein Bild fest. 

Dir steht nicht zu, das jüngste Gericht vorwegzunehmen. 

Und zuletzt:

Mach Dir kein Bild von Dir selbst:

Du bist in Entwicklung.

Du bist nicht das verletzte Kind. 

Du bist nicht der schlechte Schüler.

Du bist nicht der Arbeitslose.

Das Mosaik ist nicht fertig. 

Wir sehen nur Bruchstücke. 

Von uns, den anderen

und

vom göttlichen Du. 

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