...und sie kündigten fristlos!

Gedanken zu Mk 1, 14-20

Johannes war enthauptet. Jesus zog durch das Land. Freiberuflicher Wanderprediger ohne Beauftragung durch Gelehrte seiner religiösen oder staatlichen Institutionen.  Seine Follower waren unter anderem Fischer. Das war bereits damals kein Beruf, mit dem man reich werden konnte und ist es jetzt auch nicht. Man denke nur an die Fischer in der Nordsee ... besonders nach dem Brexit. Aber immerhin hingen an ihrem Einkommen Existenzen. 

Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. (Mk 1, 17-18) 

Was wäre denn gewesen, wenn mein Vater, beschäftigt in einem Kraftfutterwerk im Regensburger  Osthafen, beschlossen hätte, dass er jetzt im Bayerischen Wald in einer  einsamen Hütte leben möchte? Ähnliches ist in der Schweiz geschehen. Nikolaus von Flüe hieß der Vater.  Seine Frau nähte ihm ein Pilgergewand, sie blieb mit 10 Kindern zurück. Der Weg zu seiner Einsiedelei in der Ranftschlucht dauert etwa 20 Minuten. 

Viel Zeit lässt Jesus im Markusevangelium nicht den Bewerbern um ein Apostelamt, streng genommen werden sie auch eher vom Angebot des Headhunters überrumpelt. Keine Bedenkzeit. Dabei sind die Rahmenbedingungen schlecht: Die Festanstellung gibt es zwar ohne Probezeit, aber mitunter gibt es nur ein paar Brote und Fische, und selbst das soll geteilt werden. Und das Risiko, gewaltsam und früh zu sterben, ist recht hoch. 

Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach. Mk 1, 19-20

Der Ausbruch aus dem Alltag hat Auswirkungen auf das soziale Umfeld. Und doch scheinen die Jünger an einem biographischen Punkt angelangt, an dem sie nicht anders können als den Aufbruch zu wagen.  

Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. (Mk 1,17)

Der Headhunter Jesus greift auf, was die Fischer kennen, um sie zu etwas zu führen, was ihnen komplett fremd sein dürfte. Um Menschen zu fischen, also auf eine wichtige Nachricht aufmerksam zu machen, bräuchte es doch eine spezielle Ausbildung? Nein!

Ausgerechnet Paulus, der Völkerapostel mit Ausbildung in jüdischer Theologie zeigt sich eher skeptisch, ob theologische, philosophische oder rethorische Künste überzeugen sollten: "Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt" (Kol 2,8) Und so nimmt Paulus für sich in Anspruch, dass er auf besondere Kunstgriffe verzichtet: Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. (1 Kor 2,2) 

Paulus stellt das ins Zentrum seiner Präsentation, was er für sich selbst als hilfreich erfahren hat. Und diesem Weg folgte er. Ohne Rücksicht auf darauf, dass dies zum Ende seiner Karriere führte. Hier stehe ich, ich kann nicht anders.... um es mit Luther zu sagen. 

Mein Herr und mein Gott,

nimm alles von mir,

was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,

gib alles mir,

was mich führet zu dir.

Mein Herr und mein Gott,

nimm mich mir

und gib mich ganz zu eigen dir.

 

Nikolaus von der Flüe

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