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Wo Gott jetzt lebt

Gedanken zu Gott und Kirche zwischen Köln, Wien und Leipzig

Wo ist Gott? Viele führt diese Frage zu Religionen und religiösen Menschen. Diese geben sehr unterschiedliche und widersprüchliche Antworten. 

Wo ist Gott? In den katholischen Hochburgen, wo die Mehrheit katholisch sozialisiert ist, erzählt scheinbar jeder Stein von Gott. In Regensburg stolpert man jeden zweiten Schritt über ein christliches Symbol: ein Kreuz, eine Wandinschrift, eine Hauskapelle, ein Kreuz und über allem der Dom. 

Wo ist Gott? Immer wieder erschüttern Skandale die Kirchen. Immer wieder gibt es aber auch Menschen, die glaubwürdig leben, was sie lehren. 

Wo ist Gott? Das fragen sich jene, die Opfer von Macht und Gewalt wurden - eben auch in kirchlichen Einrichtungen. 

In die Kritik ist vor allem auch die Reaktion der Verantwortlichen gekommen. Ja, es ist schwer, jemanden anzuklagen und rauszuwerfen, dem man nahesteht. Aber tatsächlich ist es wichtig, um deutlich zu machen, dass nichts rechtfertigt, einen Menschen seelisch oder körperlich zu verletzten. 

Immer neue Skandale verdunkeln das Zeugnis der Botschaft Jesu. Das Salz ist nicht mehr wirksam. Es hat seinen Geschmack verloren. Und trotz vereinzelter Bemühungen in den Regionen, in denen die großen Kirchen noch in der Mehrheit sind: es wäre vielleicht wirklich Zeit für einen ökumenischen Neustart. 

Christen sind dort glaubwürdig, wo sie Konflikte friedlich lösen und gemeinsam leben, was sie von Gott verstanden haben. Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der von Gott selbst erfahren hat. Der Gedanke von Karl Rahner hat mir immer gefallen. Wo lässt sich Gott finden? Vielleicht ist das tatsächlich dort leichter, wo so wenige Christen leben, dass die Konfessionen nur miteinander das Wohl der Stadt in den Blick nehmen können, weil die Aufgaben für eine Kirche allein zu groß wäre. 

Kurz gesagt: Die Zukunft der Kirche liegt nicht in Wien, Regensburg oder Köln, sondern in Leipzig, Dresden und Erfurt.  

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