In der Liebe bleiben

Für alle Mütter, die nicht aufgeben

Liebe ist keine Wahl. Wer jemals richtig verliebt war, weiß das. Die Vernunft mag Gründe haben, zu gehen. Doch im Innersten des Herzens brennt ein Feuer. Liebe strebt zum Du, aber sie zielt in ihrer reifen Form über das Du hinaus. Sie wirkt hinein in die Welt und verändert sie. 

Es gibt Mütter, die ihr Kind allein in einer Wohnung zurücklassen. Ausdruck eigener Verzweiflung und Unfähigkeit, verantwortlich zu handeln. 

Aber auch Ausdruck der Unfähigkeit einer Gesellschaft, für einen Menschen da zu sein, wo Zuwendung gebraucht wäre. 

 

 

Es gibt Mütter, die in der Schwangerschaft entscheiden, ein Kind in eine andere Familie zu geben. Sie glauben, dass sie selbst das Kind nicht behalten können, aber möchten, dass das Kind in einer anderen Familie Liebe und Geborgenheit erfährt. Es gibt ein Loslassen aus Liebe. 

Es gibt junge Frauen, die mit ihrem Kind über Berge und Meere fliehen, um ihm eine Zukunft ohne Gewalt zu eröffnen. Es gibt Symbole der Nähe, die missbraucht und leer sind. Generationen von Unterdrückung hinterlassen blutende Narben. Manchmal ist Distanz die intimste Form der Nähe. Manche Verleetzung findet nie genug Liebe, um zu heilen. Und doch ist Liebe das einzige Hilfsmittel, das die Welt heilen kann. 

Es gibt Frauen, die ein Kind adoptieren, das verlassen wurde. die Gesundheit und Leben riskieren, um einen Jugendlichen zu retten, der im Sumpf von Drogen und Gewalt versinkt. 

Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Es gibt keine größere Liebe als die Liebe einer Mutter, die bereit ist, für ihr Kind die eigene Gesundheit zu opfern und zu sterben. 

Was ist Glauben? Eine Wahl? Sonntags in die Kirche gehen? Beten? Ein Kreuz? Ein Rosenkranz? Manche sind enttäuscht von Mitarbeitern einer Kirche, die im entscheidenden Augenblick nicht präsent waren. Manche Mitarbeiter kennen Pastoral, Dogmen und Kirchenrecht gut und versagen im konkreten Alltag. Vielleicht fühlten sie sich nicht zuständig? Vielleicht hatten sie Angst, etwas falsch zu machen?

Mancher, der nicht an Gott glaubt, ist der Wahrheit näher als die Frommen. 

Tut dies zu meinem Gedächtnis! Geht zu den Menschen! Seid ihnen nahe. Hinaus zu den Wegkreuzungen. Vergesst nicht die Kinder und Jugendlichen, die verzweifelt nach Liebe suchen und nicht erkennen können, wo sie tatsächlich geliebt wurden ... bedingungslos. 

Wie viele Follower? Wie sehe ich aus? So mancher Jugendlicher sucht verzweifelt nach Anerkennung und Selbstbestätigung und verliert dabei sich selbst. 

Und wer sorgt sich um die Mutter, die einst das Kind allein gelassen hat? Wer ist weiter bereit, dem Kind Zuneigung zu geben, das die Hand gebissen hat, die für es da war?  

Manche Gläubige unterteilen so gerne die Welt. In jene, die gerettet werden und jene, die verloren sind. Würden  sie wirklich in einem Himmel sitzen wollen im Bewusstsein, dass es neben ihnen Menschen gibt, die ohne Liebe auf ewig existieren ... das ist ja die Hölle? 

Liebe möchte das Happy-End. Liebe sucht nach Wegen zur Erlösung für andere. 

Das klingt zu idealistisch? Kann ich das selbst überhaupt?

Nein. 

Manchmal bedeutet lieben auch, Grenzen ziehen und jemanden aus der Wohnung schmeißen ... Es gibt ein Nein aus Liebe. Aber wenn wir nur die lieben, die uns lieben, fehlt etwas wesentliches an der Botschaft, für die Jesus sein Leben losgelassen hat. 

Gute Nachricht: ich muss nicht jeden selbst lieben können. Es reicht, andere nicht daran zu hindern, dort zu lieben, wo es schwer ist.

 

 

Es ist nicht entscheidend, wie lange wir leben. Entscheidend ist, so zu leben, dass wir für andere brennen und auch dann in der Liebe bleiben, wenn es schwer wird. Denn Liebe ist tatsächlich Schicksal (Hayot) und bleibt auch im Tal der Tränen...andernfalls war es nur Verliebtheit...