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Leipziger Namensforscher:

Der sächsische Asterix und seine böhmisch-schlesischen Kinder

Familiennamen können viel erzählen. Jede Familie überliefert bestimmte Geschichten, die einen Hinweis auf den Ursprung der Familie geben können. Wer es ganz genau wissen will, kann die Namensforscher an der Universität Leipzig mit einer kleinen Recherche beauftragen. Zum Namen "Kneitschel" habe ich dies nun getan. Im Ergebnis erzählt der Name von einem Vorfahren, der seiner Größe nach Asterix ähnelte und in Sachsen lebte. Die ältesten Spuren führen nach Halle, Chemnitz und Oberlungwitz. Seinen letzten Schliff erhielt der Name aber in Marschendorf am Fuß der Schneekoppe im Riesengebirge (Krkonose)

Die kleine Arbeit stelle ich Interessierten gerne zur Verfügung. Ich bedanke mich herzlich bei Dr. Gunhild Winkler. Hier die wesentlichen Punkte:

  • Kneitschel ist in seiner heutigen Schreibung in Marschendorf entstanden. Hier finden sich die ältesten Belege. In den lokalen Kirchenbüchern lässt sich die letzte Festlegung der Buchstaben gut nachvollziehen.  Die erste urkundliche Erwähnung ist aktuell 1676: Daniel Kneitschel. (Anmerkung: Mir war aufgefallen, dass zuvor mit anderer Handschrift die Einträge vollzogen wurden: Diese ältere Schrift meldet 1645 die Taufe von Daniel Kneutschel.)  
  • Kneitschel ist damit im letzten Schritt unter Einfluß der gebirgsschlesischen (ostmitteldeutschen Mundart entstanden. Er steht damit im Wortfeld knetschen, knitschen, knautschen und knutschen. Alle diese Begriffe hatten bis zum 19. Jahrhundert die Bedeutung "zusammendrücken, zerdrücken". Knutschen hat erst im 19. Jahrhundert seine heutige Bedeutung erhalten, 
  • Sprachliche Grundlage der letzten Formung des Namens ist das schlesische Wort Knäutschel. Das Wort trug im Umfeld des Riesengebirges die Bedeutung kleiner Mensch. 
  • Der Blick auf die Entwicklung der Schreibung des Namens führt über Kneutzschel zu Kneutzel. Der als ursprünlich anzusehene Laut tz wurde in der Mundart verzischt und als tsch  bzw tzsch (KNEUTZSCHEL) ausgesprochen.
  • Belege zum Namen  KNEUTZEL finden sich im 16. Jahrhundert. Jüngster und derzeit letzter Beleg des Namens in alter Schreibung ist 1623 Dorothea Kneutzel. Ältester Beleg ist 1560 Philipp Kneutzel. 
  • Philipp Kneutzel lebte in Halle an der Saale. Ab 1577 lebten mehrere Kneutzel in Oberlungwitz bei Chemnitz. 1579 benennt die Chronik von Trautenau Gorge Kneutzel als Kriegsknecht. Möglicherweise dieselbe Person erscheint in der Chronik 1594 als  Georg Kneutzschel. 
  • Frau Dr. Winkler hält abschließend fest: Der Familienname Kneitschel ist im ostmitteldeutschen Sprachraum entstanden. Er konserviert einen charakteristischen Beinamen des Vorfahren, der selbigen als klein und gedrungen ausweist. Mit der historisch-geographischen Analyse kann der Name in Sachsen und Böhmen verortet werden. 

Es scheint so zu sein, dass sich die Familie zumindest seit dem 15. bis zum 18. Jahrhundert ausschließlich in Sachsen und Böhmen aufgehalten hat. Trotzdem könnten natürlich die überlieferten Familienlegenden Querverbindungen transportieren, die sich sprachwissenschaftlich nicht nachweisen lassen.

 Nach diesen Thesen ist der familiäre Ursprung mit Tirol oder mit einer Konversion vom Judentum verbunden. 

 

Sollte darüber hinaus jemand konkretere Ideen zur Namensentstehung haben, freue ich mich auf Ihre Meldung unter info(at)kneitschel-leipzig.de

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