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Zum 52. Geburtstag von Martina

Bleibende Gegenwart


Am 3. Juni 2021 trifft der Geburtstag meiner Anfang 2020 verstorbenen Frau auf das katholische Fest Fronleichnam. 

In Regensburg war Fronleichnam der Tag eines großen öffentlichen Gottesdienstes mit Blumenteppichen, geschmückten Fenstern, Musik und festlichen Gewändern. Im Bistum Dresden-Meißen ist diese Tradition vor allem bei den katholischen Sorben bis heute lebendig. In Leipzig wurde das typisch katholische Fest zu meiner Freude schon einmal ökumenisch gefeiert. Das Fest erinnert daran, dass Jesus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern zugesagt hat, dass er immer da ist, wenn seine Gemeinde Brot und Wein teilt. In katholischen Kirchen bezeichnet ein rotes Licht den Ort, an dem das verwandelte Brot aufbewahrt wird. In besonders dichter Weise wird hier für den Katholiken die Gegenwart Jesu spürbar. 

Nach dem Tod Martinas verstand ich nochmal tiefer, was es bedeutet, Erinnerungen in die Gegenwart zu holen. Wiederholt habe ich schon in Texten von der persönlichen Bedeutung der Michaeliskirche in Leipzig geschrieben. Die evangelische Kirche ist meine Hochzeitskirche. Sie besiegelte einen Bund, der bis heute bleibende Bedeutung hat.  

Liebe hinterlässt Spuren, die zeitlos eingebrannt bleiben. Die Jünger erkennen die Gegenwart Jesu, als er das Brot brach. So erzählt die Bibel. Und die Frauen erkennen ihn deutlich schneller. Während sich die Männer ängstlich einsperren, sind die Frauen ihm bereits begegnet. Am Ende zählt, dass die Botschaft weitergetragen wird: der Tod hat nicht das letzte Wort. 

Doch zugleich bleibt die Zeit begrenzt. Wir meinen manchmal, viel Zeit zu haben. Dabei sind wir ziemlich schlecht darin, zu erraten, wie die Geschichte weitergeht. Binnen weniger Tage endete Martinas Leben. Keiner hatte damit gerechnet. Auch Martina nicht. 

Doch nur wenige Menschen hatten für den Fall des eigenen Todes so gut vorgesorgt wie sie, die zuverlässige Mutter, Ehefrau und Richterin. 

Es ist gut, die Dinge, die man im Innersten will, nicht aufzuschieben. Auch wenn es Zeiten der Trauer und des Rückzugs in die Stille braucht, ist es doch gut, nicht auf der dunklen Schwelle stehenzubleiben, sondern getragen von der bleibenden Liebe den nächsten Schritt zu wagen. 

Liebste Mimati!

Ein Gruß von der Schwelle zwischen Land und Wasser, Tag und Nacht, Licht und Dunkel, Zeit und Ewigkeit.

Dein Weg vollendet, Deine Liebe geschenkt. 

Gesiegt, geweint, gekämpft, gelitten.

Deine Pflicht erfüllt.

Deinen Plan vom Glück nicht aufgegeben. 

Du glaubtest an die verwandelnde Kraft von Liebe und verzweifeltest an der harten Realität. 

Manche Verletzung 

findet nie genug Liebe. 

Und doch ist Liebe das einzige, 

was am Ende heilt. 

Danke für Deine Liebe. Nein, sie ist nicht vergebens. 

Dein Butzi!


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