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Und Jesus führte sie auf einen hohen Berg

Gedanken zu Mk 9, 2 - 10

Ich will hier bleiben! Und ich will im Augenblick verharren. Ewigkeit ohne Zeit. Liebende kennen solche Augenblicke, wenn sie sich innig küssen und zärtlich den Körper des geliebten Du berühren. 

Im Sommer 1998 traf ich in Leipzig ein. Martina holte mich ab. Wir fuhren mit der Straßenbahn zum Nordplatz und gingen von der Haltestelle direkt in ihre Wohnung. Nach einem unvergesslichen Abend schlief ich ein und erwachte am nächsten Morgen. Martina schlief noch und mein Blick ging erst jetzt zum Fenster. 

Vor mir erhob sich die Michaeliskirche in ganzer Schönheit als wäre sie gerade erst in dieser Nacht da hingestellt worden. 

Die Morgensonne tauchte das Gemäuer in strahlendes Licht. 

Ich musste an die Inschrift über dem Altarraum in der Regensburger Schottenkirche denken:

 

Ecce thronus fulgescit regis et agni 

Deutsch: Hier ist aufgerichtet der Thron Gottes und des Lammes. 

 

Klar, aus dieser Assoziation spricht der katholisch sozialisierte Theologe. Andere hätten hier schlicht gesagt: Beeindruckend! Der Ort gefällt mir.

Jesus besteigt einen Berg. Mit dabei drei Personen, die besonders eng mit Jesus verbunden sind: Petrus, Johannes und Jakobus. Berge bieten neue Perspektiven. Dem anstrengenden Aufstieg folgt die beeindruckende Aussicht, zumindest, wenn das Wetter mitspielt. 

Was sieht man auf diesem Bild?

Am 2. Juni 2020 stand ich am Strand der Insel Langeoog. Die Sonne war gerade dabei, unterzugehen. In den Wolken erschien plötzlich das Gesicht und der Oberkörper einer Frau.

Sehen Sie nicht? Ich schon. 

Der moderne Mensch neigt dazu, schnell zur Rationalität überzugehen. Das ist auch gut so. Es ist nicht gut, der harten Wirklichkeit zu entfliehen. Und doch sind diese Erfahrungen ein Gruß aus der Ewigkeit in die Zeit - für den, der sich darauf einlässt. 

"Wir wollen drei Hütten bauen!", bricht es aus Petrus hervor. Gerade hat er gesehen, wie Jesus sich mit Moses und Eliah unterhielt. Die beiden bedeutsamen Männer aus der Geschichte Israels bleiben nicht. Plötzlich ist Jesus wieder allein. "Auf ihn sollt ihr hören!", mahnt eine Stimme.  

Nein, es klappt nicht, den Augenblick festzuhalten. Und Beziehungen sind nicht tragfähig, wenn sie sich nicht im grauen Alltag bewähren. Und doch tragen uns besondere Erlebnisse und Orte durch den Schmerz und die Last des Alltags.

In katholischen Kirchen brennt vor einem schmuckvollen Kasten (Tabernakel) eine rote Lampe (Ewiges Licht). Sie versucht, einen Ort zu bestimmen, an dem Gott präsent ist. Wer den Schrank öffnet, findet dort Hostien.

Der Glaubende sieht hinter der naturwissenschaftlichen Tatsache, dass es sich um Brot handelt, Jesus. Er wurde dadurch bekannt, dass er mit den Menschen Brot teilte und Wein trank. Auch mit jenen, die keinen guten Ruf hatten. Und so versprach er, dass er immer real präsent ist, wenn Menschen zu seinem Gedächtnis Brot und Wein teilen. 

Christen haben sich zerstritten über die Frage, wie Jesus da ist. Im ökumenischen Dialog ist man sich dazu nahe gekommen. Vielleicht hilft für die letzten Schritte, zu begreifen, dass die Aufforderung Jesu garnicht so kompliziert ist:

 

Das hier bin ich, mit Fleisch und Blut. Meine historische Geschichte. Meine Liebe zu allen Menschen. Meine Bereitschaft, für meine Botschaft bis ans Kreuz zu gehen und meinen Körper zerbrechen zu lassen.

 

Tut das zu meinem Gedächtnis. 

Teil das Brot! Trinkt den Wein! Geht zu den Menschen, die Eure Nähe und Euer Wort brauchen und sagt ihnen, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben! Denn die Liebe ist stärker als der Tod.

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