Vom Schlafen

Bedenkt es in Stille auf Eurem Lager

Ich schlaf noch einmal darüber! Das kann manchmal der Beginn einer langen Nacht werden. In 50 Jahren auf diesem Planeten gab es viele schlaflose Nächte. 

Ich suchte verzweifelt einen Menschen, für den ich Verantwortung hatte. Ich weinte um eine Freundschaft, die am Zerbrechen war. Ich weinte um meinen Vater und meine Frau. Ich weinte als Kind in Krankenhäusern. 

Manche gute Entscheidung reifte nachts. Dann stellte ich mich ans Fenster und sah den Arbeitern beim Laden des Lastwagens zu. Ich betrachtete den klaren Sternenhimmel oder blickte in den Regen. Ich saß in einer alten romanischen Kirche und hörte auf die vielen Stimmen auf der Suche nach der einen Stimme, die mich dann über viele Stationen nach Leipzig führte. 

"Denkt nachts auf eurem Lager nochmals nach und schweigt!" Das empfiehlt ein selbstbewusster Beter im Psalm 4 seinen Kritikern. Er braucht nicht die Zustimmung und den Beifall anderer. Er braucht kein Amt und keine Berufung auf einen Posten. Sein Selbstbewusstsein speist sich aus einer anderen Quelle statt Reichtum, Gesundheit oder Ansehen. 

Manchmal muss man loslassen, was nicht festgehalten werden kann. Manchmal trennen sich Wege. Manchmal gibt es viel später eine neue Begegnung, vielleicht in dieser Zeit, gewiss jedoch am Ende der Zeit. 

"Du hast mir weiten Raum geschaffen in meiner Bedrängnis." (Ps 4,2) Aus dieser Erfahrung speist sich seine Zuversicht.  

So kann er die kreisenden Gedanken und die Sorge um die Zukunft loslassen und in Frieden schlafen. Vielleicht träumt er sogar. Denn manchmal wird gerade dort die leise Stimme hörbar, die ihn trägt und hält. 

 In Frieden leg ich mich nieder und schlafe; denn du allein, HERR, lässt mich sorglos wohnen.