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Von der bedingungslosen Liebe

Spurensuche nach einem Ideal zwischen Traum und Realität

Wir retten uns gegenseitig. Ich bin Dein Anker und Du bist mein Anker. So erklärt der Obdachlose, warum er bis heute durchgehalten hat, obwohl er oft genug keinen Bock mehr hatte, weiterzuleben. Der Hund hielt ihn am Leben. 

Ich bin Dein Anker und Du bist mein Anker. 

Selbsterkenntnis und Selbstliebe sind die Basis dafür, andere bedingungslos lieben zu können. In der Praxis ist Liebe ein lebenslanger Lernprozess, bei dem es auch Phasen des Loslassens geben muss, um sich selbst nicht zu verlieren. Es bleibt kompliziert.

Oder doch nicht? 

Kann Ehrlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Disziplin heilen? Ich glaube, dass der Blick auf sich selbst eher die Frustration fördert. Ich bin nicht immer ehrlich, gewissenhaft und diszipliniert und werde dies auch nicht in diesem Leben schaffen. Aber ich bin dazu fähig, andere zu lieben: ehrlich, gewissenhaft und mit aller Konsequenz.

Das einzige, was Menschen wirklich heilt, ist bedingungslose Liebe, schreibt Elisabeth Kübler-Ross. In einem Interview bleibt sie grundsätzlich bei dieser Aussage, betont aber, dass bedingungslose Liebe erst nach dem Tod Wirklichkeit wird. In der Welt gibt es Menschen, die wir ohne Gegenleistung lieben können. Bei anderen Menschen fällt uns das schwer. In manchen Situationen empfinden wir es als Zumutung und gefährlich, bedingungslos zu lieben. Manche ertragen und lieben wir nur auf Distanz.

Jesus wurde gefragt, was das wichtigste Gebot ist. Seine Antwort: Liebe. 

Tatsächlich können wir nicht immer jeden lieben. Jeder ist aber fähig zu lieben. Manchen gelingt es, zumindest für einen anderen Menschen ein Anker zu sein. Manche sind für 2 Menschen ein Anker, andere für 5, andere für noch mehr Menschen. 

Die Liebe, die wir geben, wird dabei nie weniger. Der Mensch, den wir lieben, wird selbst fähig, andere zu lieben. (Mt 25, 14-30)

Manchmal verschließen wir uns dem anderen. Wir vergraben unsere Fähigkeit, uns dem anderen zuzuwenden. Manchmal glauben wir, es sei zu wenig, was wir haben und können. 

Unsere Liebe ist manchmal überraschend gefordert. Paulus schreibt davon, dass unsere Wachsamkeit überraschend gefordert sein kann. (1 Thess 5, 1-6) Krisen und Kriege, Krankheit und Tod kõnnen plötzlich erfordern, dass wir teilen, was uns an Talenten gegeben ist. 

Jesus erkannte in wenigen Broten und Fischen die Chance, viele Menschen satt zu machen. Vielleicht waren die wenigen Brote und Fische für andere der Anstoss, selbst ihren Beitrag zu leisten? 

Bedingungslose Liebe weckt in anderen die Liebe.

Bedingungslose Liebe bedeutet, Wege zu finden, anderen zu helfen. Es ist eine alte Erfahrung, dass materiell arme Menschen oft zu größerer Liebe fähig sind. 

Bei der Geschichte vom Weltgericht erzählt Matthäus von den Kriterien, nach denen abgerechnet wird: (Mt 25,31-46): Versorgung anderer mit Nahrung, Wasser und Kleidung, Aufnahme von Fremden, Besuche von Kranken und Gefangenen. Diese Anforderungen lassen sich durchaus erfüllen.


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